Geschichte - Musik- und Unterhaltungsverein Lauschied e.V.

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Geschichte

Verein

1926 -1976


Bis zur Gründung des Vereins, der im Jahre 1926 unter dem Namen „Musik- und Wanderverein“ seine Arbeit aufnahm, muß zunächst erwähnt werden, daß es in der Gemeinde Lauschied in früheren Jahren schon Musiker gegeben hat, die weit über die Grenzen des Ortes bekannt waren.


Bei den Musikanten um die Jahrhundertwende und davor sind die Familien Geiß und Schwenk am stärksten hervorgetreten. z. B. Franz Geiß sen. und jr., Johann Geiß, Wilhelm Geiß, Alois Geiß, Johann Philipp Geiß, Wilhelm Schwenk und Johann Schwenk, um nur einige zu nennen. Auch der im Jahre 1778 geborene Jakob Stenzhorn war von Beruf Musikant.


Die Musik wurde somit immer schon gepflegt und auch zum Teil als Tradition weitergegeben.


Nach dem ersten Weltkrieg (1918) setzte sich die Musikkapelle Lauschied aus folgenden Personen zusammen:


(v. l. n. r.) Anton Lörsch, Anton Nikodemus, Eduard Lenhardt, Josef Peter Lörsch, Adolf Rauland und Fritz Schwenk.



Später kamen Robert Schappert, Hermann Stenzhorn, Peter Nikodemus u. a. dazu. Vornehmlich wurde zu Unterhaltungs- und Tanzmusik und vor allem bei kirchlichen Festen aufgespielt.


Die Anregung zur Vereinsgründung ist von der Initiative dieser damaligen Musikkapelle ausgegangen. Als man zur Vereinsgründung zusammenkam, waren nicht nur aktive Musiker dazu bereit, sondern das Interesse an der Musik fand auch unter Nichtmusikern sehr guten Anklang, so daß bei der Gründung schon sehr viele passive Mitglie­der aufgenommen wurden.


Durch das Mitwirken von passiven Mitgliedern hat man sich nicht nur mit der Musik befaßt. Auch das "Layenspiel" und "Wandern" wurde mit in die Vereinsarbeit einbezogen.
Daher der Vereinsname: „Musik- und Wanderverein“.


Alle Musiker hatten eigene Instrumente. Der Anfang konnte somit gut über­standen werden. Jedoch die sehr schlechte Zeit, in der es viele Arbeitslose gab, mußte in diesem jungen Verein verkraftet werden. Man sah zunächst von einer Beitragszahlung ab. Erst ab dem Jahre 1929 sollten die Mitglieder monatlich 0,20 RM an Beiträgen zahlen, was für viele ein großes Opfer war.


Die ersten Beitragszahler waren:

Anton Nikodemus II., Anton Nikodemus III., Jakob Nikodemus, Peter Nikodemus, Heinrich Nikodemus, Eduard Lenhardt, Joseph Lenhardt, Anton Lenhardt, Anton Lörsch, Josef Peter Lörsch, Peter Lörsch, Adolf Rauland, Hermann Stenzhorn, August Stenzhorn, Robert Schappert, Clemens Schappert, Josef Hasemann, Jakob Spengler, Jakob Fleck, Wendelin Fleck, Johann Maltri, Franz Leyendecker und Georg Schappert.


Im Jahre 1930 kamen hinzu: Joseph Schappert, Joseph Geiß, Christoph Fey, Jakob Bappert, Wilhelm Fleck, Rudolf Lörsch, Joseph Lörsch II., Julius Nikodemus, Alois Geiß, Ferdinand Fleck, Otto Bertram und Heinrich Geiß I.


Mit diesen Einnahmen bestreitete man zunächst die Anschaffung eines Stempels und der Vereinsbücher. Man beschaffte die ersten vereinseigenen Noten usw.


Schon in den ersten Jahren des Bestehens widmete sich der Verein u. a. intensiv dem Layenspiel.


Im Jahre 1929 wurden z. B. von einem Theaterspiel 55,28 RM an Einnahmen verbucht. Ein Fastnachtsball wurde veranstaltet, der 39,- RM an Einnahmen brachte. An Monatsbeiträgen wurden immerhin im Jahr rund 70,- RM einge­nommen.


1930 wurden die ersten vereinseigenen Instrumente angeschafft. Eine Trompete für 20,- RM und ein Schlagapparat für 13,50 RM. 1931 eine große Trommel und ein Glockenspiel.


Die musikalische Leitung des Vereins hatte Musik- und Tanzlehrer Karl Baum aus Raumbach, der auch schon die Musikkapelle vor der Gründung des Vereins leitete.


Die rege Tätigkeit des Vereins in den ersten Jahren sollte nur bis Ende 1932 andauern.


1933 blieb auch der Verein von dem politischen Geschehen nicht verschont. Die Vereinstätigkeit mußte eingestellt werden. Die aktiven Mitglieder wirkten in der SA-Kapelle der damaligen Ortsgruppe Sobernheim mit. Es dauerte aber nicht lange, bis sie sich wieder von dieser Kapelle trennten.


Bis zum Ende des Krieges trafen sich die wenigen zu Hause gebliebenen Musiker, um zu verschiedenen, vor allem kirchlichen Anlässen zu spielen.


Im Jahre 1947, nach Rückkehr von Hermann Stenzhorn aus der Kriegsgefangen­schaft, hatten sich zwölf Jugendliche entschlossen, bei ihm das Musizieren zu erlernen. Es waren:



Emil Lörsch, Werner Lenhardt, Edmund Bauer, Rochus Stenzhorn, Ferdinand Stenzhorn, Helmut Schöndorf, Paul Lörsch, Rudolf Lörsch, Georg-Leo Schappert, Roman Kallus, Hans Lenhardt und Winfried Geiß.




Aus dieser Bereitschaft konnte Mut gefaßt werden, um die Vereinstätigkeit wie­der aufblühen zu lassen.


Dies ging aber nicht ohne Schwierigkeiten. Die damaligen Besatzungsmächte mußten ihre Genehmigung erteilen. Der Antrag zur Genehmigung, der in Deutsch und Französisch abgefaßt werden mußte, wurde am 17. 3. 1949 von Hermann Stenzhorn, Ferdinand Fleck, Anton Lenhardt und Ferdinand Kron unterschrie­ben und der Militärregierung in Bad Kreuznach zur Genehmigung vorgelegt. Nach 20 Tagen kam die Genehmigung mit der Auflage, daß alle Veränderungen und Auftritte des Vereins der Militärregierung gemeldet werden müssen. Auch durfte sich der Verein nicht mehr "Musik- und Wanderverein" nennen, sondern "Wanderverein" in "Unterhaltungsverein" abändern, da das "Wandern" von der Militärregierung als "Marschieren" verstanden wurde.


Der erste Vorstand nach dem zweiten Weltkrieg wurde am 14. 4. 1949 im Vereinslokal Kron von 29 erschienenen Mitgliedern wie folgt gewählt:

1. Vorsitzender: Anton Lenhardt          

Dirigent: Hermann Stenzhorn

Schriftführer: Ferdinand Fleck

Kassenwart: Ferdinand Kron   

1. Beisitzer: Robert Schappert

2. Beisitzer: Eduard Lenhardt

Instrumentenwart: Emil Lörsch

Vereinsdiener und Notenwart: Roman Kallus  



Von den 35 Mitgliedern im Gründungsjahr konnten nur noch am 14. 4. 1949 zehn in die Vereinsliste eingetragen werden. Viele kamen nicht mehr aus dem Kriege in die Heimat zurück und einige hatten inzwischen ihren Wohnsitz gewechselt. Der Rest zeigte zunächst kein Interesse.


Der unermüdlichen Arbeit des Dirigenten Hermann Stenzhorn war es zu verdanken, daß eine 20 Mann starke Kapelle die Prozession am Fronleichnamsfest 1949 wieder spielen konnte.


Die Kapelle wirkte immer, ohne Ausnahme, bei allen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen und Festen, insbesondere am Tag der ersten heiligen Kommunion, an Fronleichnam, Allerheiligen und Heldengedenktag unentgeltlich mit. Ab dem Jahre 1949 wurde auch ununterbrochen bis zum Jahre 1971 die Fronleichnamsprozession in Meisenheim gespielt. Enttäuscht waren alle Aktiven, als die Pfarrgemeinde Meisenheim im Jahre 1972 für die Blasmusik an diesem jährlichen Fest kein Interesse mehr zeigte und dem Verein absagte.


Neben der musikalischen Tätigkeit wurde das Laienspiel sehr gepflegt. Mindestens einmal im Jahr konnte ein Stück aufgeführt werden. U. a. im Jahre 1959 das Stück  „Der Schinderhannes", das durch die originelle Besetzung der Rollen zu einem einmaligen Erfolg führte.


Die Leitung hatte in den ersten Jahren nach dem Krieg das Ehrenmitglied Heinrich Fleck, welches heute noch im 94. Lebensjahr mit dem Verein eng verbunden ist. Ihm zur Seite stand der damalige 1. Vorsitzende Anton Lenhardt.


Ab 1955 übernahm Anton Geiß die Spielleitung, der diese Tätigkeit bis 1969 ausübte. Es folgte für ein Jahr Gottfried Lenhardt und Lehrer Jung. 1970 wurde diese Aufgabe Paul Lörsch übertragen. Erfreulich, daß das Laienspiel bis zum Jahre 1972, mit Ausnahme von zwei Jahren, in guten Leistungen seinen Nieder­schlag fand.


Bedeutende Tage im Vereinsleben waren der 22. und 23. Juli 1961.


Mit dem Wahlspruch „Einigkeit macht stark - in Treue fest“ wurde die neue Fahne durch Staatsminister Professor Dr. Adolf Süsterhenn aus Koblenz feierlich eingeweiht. Die Festrede hielt Professor Dr. Pater Georg Geiß, ein gebürtiger Lauschieder, der in Wien tätig war.


Ein weiterer Höhepunkt, inzwischen war der Verein dem Deutschen Laienspielverband beigetreten, war die Veranstaltung am 29. und 30. August 1964.


Der Verein gestaltete den "Tag der deutschen Volkskunst".


Die Presse berichtete u. a.:

Mit der Vergabe des  „Tages der deutschen Volkskunst" nach Lauschied wurde die rege Tätigkeit des einheimischen Musik- und Unterhaltungsvereins gebührend honoriert. Für die Gemeinde gestaltete sich die zwei­tägige Veranstaltung zum Fest des Jahres. Wohl selten hat man in den Dorfstraßen so viele Menschen gesehen wie an diesem Wochenende. Sie waren von überall gekommen: Aus Rheinhessen, dem Rheinland, der Pfalz und dem Naheraum".


Keine lange Ruhepause sollte es geben bis zu einem weiteren Höhepunkt. Der Verein trat 1966 dem „Deutschen Volksmusikerbund“ bei und wurde sogleich mit der Ausrichtung des 1. Kreisverbandsfestes des Deutschen Volksmusikerbundes beauftragt. Auch hier berichtete die Presse wie folgt:

. . . Volksmusik auf Lauschieder Höhen“­


Singendes, klingendes Finkenländchen - unter dieses Motto könnte man das Kreismusikfest 1966 stellen, das zwei Tage lang die Gemeinden auf den Lauschieder Höhen in Bann hielt“.


Wenn die Vereinstätigkeit in den Jahren von 1952 bis 1959 ihren Schwerpunkt etwas mehr im Layenspiel hatte, so ist ab 1960 durch die enormen Leistungen des Orchesters die Musik in den Vordergrund getreten. Nicht zuletzt zu verdanken seinem jetzigen Dirigenten Ferdinand Stenzhorn, der der Musik seine ganze Freizeit widmet. Den Dirigentenstab von seinem Vater, Hermann Stenzhorn, schon in den ersten fünfziger Jahren übernommen, bemüht er sich das Orchester in der musikalischen und in der kameradschaftlichen Zusammengehörigkeit zu fördern und auszubauen. Unter ihm erlebte der Verein einen großen musika­lischen Aufschwung.


Bei Wertungsspielen, die vom Deutschen Volksmusikerbund am 23. März 1969 im Kurhaus in Bad Kreuznach und am 19. März 1972 in der Gutenberghalle in Gutenberg durchgeführt wurden, konnte das Orchester sein Können durch offizielle Bestätigung finden.


Die aktive Mitgliederzahl ist inzwischen auf 25 gestiegen, die sich in Zukunft weiter verstärken wird mit den zur Zeit noch in Ausbildung stehenden 16 Jugendlichen, die unter der Obhut des Dirigenten Ferdinand Stenzhorn stehen.


Viel Anerkennung und vor allem gute Kritik bekam das Orchester immer wieder bei seinen vielen Darbietungen. Nicht nur in der Heimatgemeinde, sondern weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus ist es bekannt und beliebt.


Ein alljährliches Waldfest, bei dem mehrere befreundete Musikvereine mitwirken, ist in der Gemeinde und der näheren und weiteren Umgebung zu großer Beliebtheit gelangt. Durch den großen Anklang und die Bereitschaft der Gastvereine mußte im Jahre 1975 das Musizieren in einem Zelt ausgerichtet werden, da man in zwei vorangegangenen Jahren mit „schlechtem Wetter“ überrascht wurde.


Besonders zu erwähnende Veranstaltungen bzw. Darbietungen des Orchesters waren in Mainz am Hauptbahnhof und im Kurfürstlichen Schloß, in Mainz-Bretzenheim, Koblenz-Mühlheim und St. Ingbert (Saar), um nur einige zu nennen.


In den letzten Jahren wurden jährlich 30 bis 40 Veranstaltungen vom Orchester bei befreundeten Vereinen und Gemeinden wahrgenommen. Eine Leistung, bei der nicht nur Idealismus, sondern auch besonders die Liebe zur Musik und die Kameradschaft beigetragen haben.


Kameradschaft und gegenseitige Anerkennung, unter straffer Führung, jedoch ohne persönliche Hervorhebung einzelner, waren stets die Grundlagen des Mit­einanderwirkens und des Erfolges.


Hier gilt es, allen Mitgliedern, besonders den Aktiven im Orchester, Dank zu sagen für die vielen aufopfernden Stunden für die Pflege der Volksmusik und des Kulturgutes.


Besonderer Dank und Anerkennung ist den Mitgliedern Robert Schmidt aus Raumbach und Ernst Martin aus Staudernheim auszusprechen, die keinen Weg und keine Stunde scheuen, um in unermüdlicher Aufopferung, schon über ein Jahrzehnt hinweg, den Verein und das Orchester zu unterstützen.


Ebenso ein herzliches Dankeschön allen anderen auswärtigen aktiven Mitgliedern. Es sind dies:
Werner Becker aus Sobernheim, Wolfgang Schmitz und Iris Martin aus Staudernheim, Wolfgang Fässler, Karl Pfeffer und Paul Norbert Gnosa aus Pferdsfeld.


Der Verein, dem das aktive Mitglied Emil Lörsch seit 1960 als 1. Vorsitzender vorsteht und der zugleich auch seit dem organisatorischen Zusammenschluß im Deutschen Volksmusikerbund, Kreisverband Bad Kreuznach, den Vorsitz im Jahre 1966 übernommen hat, ist in der Gemeinde Lauschied als Kulturträger nicht mehr wegzudenken. Bleibt zu hoffen, daß auch in Zukunft die erfolgreiche Arbeit weiter ausgebaut und fortgesetzt werden kann.


In der Gemeinschaft der Verbandsgemeinde Sobernheim hat der Verein eben­falls einen anerkennenden Platz eingenommen und trägt zur Bereicherung des Kulturgutes an der mittleren Nahe erheblich bei. So konnte das Orchester auch bei der Aufnahme der Schallplatte. Ein klingender Gruß aus der Verbandsge­meinde Sobernheim" am 1. 11. 1975 mitwirken, wobei das „Echo der Kritik“ gut ausgefallen ist.


Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens soll an dieser Stelle den Gründungsmitgliedern, den Dirigenten und Ausbildern, unseren Ehrenmitgliedern, Vorstands­und aktiven sowie passiven Vereinsmitgliedern, die ehrenamtlich das Erreichte mit aufgebaut haben und weiter ausbauen, herzlich gedankt werden.


Verbunden mit der Bitte, auch weiterhin dem Verein die Treue zu halten und sich ihren Eifer und Idealismus für die Ziele des Vereins zu bewahren, in der Hoffnung, daß dem Verein mit Musik und Layenspiel auch weiterhin eine glückliche Entwicklung beschieden ist und daß er zur persönlichen Freude seiner Mitglieder sowie der Entwicklung unserer Gemeinde und darüber hinaus der engeren und weiteren Nachbarschaft beitragen kann.


Von F. STENZHORN entnommen der Festschrift zum 50. Jubiläum


Weitere Beiträge über die Jahre 1977-2006 folgen.

 
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